Faktencheck
“
Die Lohnkosten machen in der Autoindustrie nur circa elf Prozent der Gesamtkosten aus.
Auch bei den Arbeitskosten ist Deutschland in Europa nur auf dem siebten Platz.
Christiane Benner, Erste Vorsitzende der IG Metall, Süddeutsche Zeitung, 13.10.2026
Fakt ist: Die Tarifparteien führen keine Verhandlungen für die Automobilindustrie, sondern für alle M+E-Unternehmen. Deshalb müssen auch die Zahlen für die gesamte Branche der Maßstab sein. Und dort machen die Arbeitskosten im Schnitt 29 Prozent der Gesamtkosten aus. Bei kleinen Unternehmen sind es sogar bis zu 57 Prozent. Übrigens liegt Deutschland bei den M+E-Arbeitskosten auf Rang 4 in Europa. Ein „Anderswo ist es schließlich noch teurer“ kann aber so oder so kein ernstzunehmendes Argument sein.
“
Die Betriebe sind stärker ausgelastet. Und die deutsche Wirtschaft wird nach den jüngsten Prognosen um 1,3 Prozent wachsen, deutlich stärker als in den vergangenen Jahren.
Deutschland ist stärker als gedacht.
Christiane Benner, Erste Vorsitzende der IG Metall, Süddeutsche Zeitung, 13.10.2026
Fakt ist: Die Auslastung bei M+E beträgt im Schnitt nur 79 Prozent – weit unter dem langjährigen Mittel von 90 Prozent vor der Krise. Fakt ist auch, dass das vermeintliche Wachstum fast ausschließlich durch höhere staatliche Ausgaben zustande kommt, während die industrielle Wertschöpfung um mehr als 26 Milliarden Euro unter dem Niveau von 2021/2022 liegt. Das zeigt die Probleme und Zweifel der Unternehmen am Standort Deutschland. Für eine echte Trendwende müssten alle Wachstumspotenziale gehoben und private Investitionen wieder attraktiver werden.
“
Die Inflation liegt bei über drei Prozent, die Mieten steigen, die Spritkosten ebenfalls,
da braucht es mehr Gehalt.
Christiane Benner, Erste Vorsitzende der IG Metall, Süddeutsche Zeitung, 13.10.2026
Fakt ist: Lohnzuwächse müssen erwirtschaftet werden. Das hat bei M+E schon zuletzt nicht mehr zusammengepasst: Seit 2015 sind die Tarifentgelte um 30 Prozent gestiegen – die Produktivität aber nur um 17 Prozent. Und auch aktuell sind die M+E-Unternehmen nicht in der Situation, um über die Verteilung von Zuwächsen zu verhandeln: 22 Prozent erwarten für dieses Jahr einen Verlust, weitere 21 Prozent gerade mal eine „schwarze Null“. Zwei Drittel der Beschäftigten arbeiten in schrumpfenden Teilbranchen. Und was den Inflationsausgleich betrifft: Selbst das gewerkschaftsnahe IMK hat in einer Studie aus dem Juli 2026 festgestellt, dass „die inflationsbedingten Realeinkommensverluste der Jahre 2021 bis 2023 im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt wieder aufgeholt wurden“.
“
Der Auftragsbestand ist in zwei Dritteln der Unternehmen gut oder sehr gut.
Die Mehrheit erwartet zudem eine gute oder sehr gute Entwicklung in nächster Zeit.
IG Metall, 23.09.2026
Fakt ist: Anziehende Aufträge und nach oben korrigierte Konjunkturprognosen sind kein Zeichen einer Trendwende. Im Plus sind bloß Branchen wie die Rüstungsindustrie, die nur einen kleinen Teil der ganzen M+E-Industrie ausmacht. Lässt man diesen Bereich außer Acht, ist der Auftragsbestand weiter rückläufig. Im Übrigen: In Deutschland verbuchte Aufträge bedeuten noch lange nicht, dass diese Aufträge dann auch an den Standorten in Deutschland abgearbeitet werden. Nachhaltig bergauf wird es erst gehen, wenn die Unternehmen wieder Vertrauen in den Standort Deutschland haben und hier investieren.
“
Der aktuellen Strukturkrise mit niedrigeren Arbeitskosten zu begegnen, ist (…) keine Lösung.
Denn diese machten nur knapp 17 Prozent der Kosten aus, in der Autoindustrie sogar nur elf Prozent.
Christiane Benner, Erste Vorsitzende der IG Metall, 23.09.2026
Fakt ist: Die Arbeitskosten machen einen entscheidenden Anteil an den Kosten der Unternehmen aus. Betrachtet man nur die Wertschöpfung, die im eigenen Unternehmen erbracht wird, und rechnet nicht die zugekauften Vorprodukte mit ein, liegt der Anteil der Arbeitskosten bei rund 80 Prozent. Wer das ignoriert, betreibt Realitätsverweigerung. Und er verweigert sich einer Debatte über den einzigen Kostenfaktor, den Arbeitgeber und Gewerkschaft selbst beeinflussen können, um den Standort wieder attraktiv zu machen.
“
Eine Befragung von Betriebsräten in rund 2.400 Unternehmen ergab, dass etwas mehr als die Hälfte
die Lage in ihren Unternehmen für gut oder sehr gut hält.
IG Metall, 23.09.2026
Fakt ist: Nach Daten des ifo-Instituts erwarten 22 Prozent der M+E-Unternehmen für dieses Jahr einen Verlust, weitere 21 Prozent gerade mal eine „schwarze Null“. Die Branchen, in denen die Lage besser ist, machen nur einen kleinen Teil der gesamten M+E-Industrie aus. Zwei Drittel der M+E-Beschäftigten hingegen arbeiten in Branchen, die schrumpfen.
“
Die Arbeitgeber missbrauchen die Krise,
um Tabula rasa zu machen.
Christiane Benner, Erste Vorsitzende der IG Metall, 28.07.2026
Fakt ist: Die Arbeitgeber versuchen derzeit alles, um ihre Beschäftigten zu halten, obwohl 2026 voraussichtlich das dritte Rezessionsjahr für M+E in Folge sein wird. Vergleicht man den Rückgang von Produktion und Beschäftigung, gibt es aktuell sogar einen Personalüberhang von rund 300.000 Beschäftigten. Im Übrigen kennt die IG Metall die Bücher selbst genau: Sie sitzt in den Aufsichtsräten und hat die Entwicklung der von der Krise betroffenen Unternehmen eng mitgestaltet.
“
Die Krise der deutschen Automobilindustrie ist zu großen Teilen hausgemacht, weil die Vorstände der Autokonzerne reihenweise
falsche Entscheidungen getroffen haben.
IG Metall, 11.08.2026
Fakt ist: Seit 2015 sind die Arbeitskosten um 41 % und die Tarifentgelte um 30 % gestiegen. Die Produktivität konnte mit 17 % aber bei Weitem nicht mithalten. Die deutsche Automobilindustrie ist nach wie vor international absolut wettbewerbsfähig – aber nicht mehr am Standort Deutschland. Das muss sich wieder ändern.
“
Leute rauszuschmeißen, ganze Regionen in Deutschland verarmen zu lassen, industrielle Strukturen mutwillig zu zerstören, ist auch
kein Plan für die Zukunft.
Christiane Benner, Erste Vorsitzende der IG Metall, 23.08.2026
Fakt ist: Kein Unternehmer in Deutschland gibt leichtfertig Standorte auf oder entlässt seine Mitarbeiter. Das müsste die IG Metall eigentlich besser wissen. Anstelle von Vorwürfen muss jetzt eine gemeinsame Kraftanstrengung der Tarifpartner gelingen, um die Kosten zu senken und damit den Standort zu retten.
“
Wer jetzt glaubt, die Zukunft der Industrie lasse sich durch längere Arbeitszeiten, Standortabbau und
Druck auf die Beschäftigten sichern, irrt.
Barbara Resch, Bezirksleiterin Baden-Württemberg der IG Metall, Juli 2026
Fakt ist: Die Arbeitskosten in der Metall- und Elektro-Industrie am Standort Deutschland sind insgesamt zu hoch und lassen sich im internationalen Wettbewerb nicht mehr verdienen. Deshalb müssen die Unternehmen die Möglichkeit erhalten, den immensen Kostendruck zu senken.